|
| |
|
Der Leonberger
|
|

|
|
Geschichte
|
|
|
|
Die Stadt Leonberg liegt in der Nähe von Stuttgart. Hier lebte
von 1808 bis 1889 Heinrich Essig, der als Stadtrat hohes Ansehen
genoss. Auf seinem Hof wurden Federvieh aller Art, andere Tiere
und Hunde verschiedener Rassen gehalten und gezüchtet. Er
verkaufte im Jahr zwischen 200 und 300 Hunde, so dass er nach
heutigen Maßstäben durchaus als Hundehändler im landläufigen
Sinne anzusehen wäre. Dies darf uns aber nicht hindern, sein
züchterisches Werk voller Achtung zu würdigen.
|
|
Wie man annimmt, hatte er sich das hohe Ziel gesetzt, einen Hund
zu züchten, der in seinem Erscheinungsbild einem Löwen, dem
Wappentier Leonbergs, nahe kam. Als Ausgangstiere dienten hierzu
eine von ihm als Besonderheit geschätzte schwarz-weiße
Neufundländer-Hündin - heute als "Landseer" bekannt - und ein
großer, langhaariger St.- Bernhardsrüde aus dem Klosterhospiz
Großer St. Bernhard, zu dem Essig guten Kontakt pflegte. Aus
dieser Paarung fielen schwarz-weiß gefleckte Jungtiere, die etwa
Bernhardiner- Größe erreichten. Da das Wesen der Tiere die
gewünschte Eignung als Wach- und Hofhunde aufwies, wurden sie
über 4 Generationen weitergezüchtet.
|
|
|
Um den erreichten Stand zu sichern, tauschte Essig einen zweiten
Bernhardiner- Rüden aus dem Kloster St. Bernhard gegen zwei
seiner Kreuzungshunde. Später erklärte ihm der Abt des Klosters,
dass diese beiden Jungtiere mehr als die Bernhardiner zu leisten
vermochten. Essig bevorzugte bei seiner Neuzüchtung viel weiß.
Um diese Farbe zu erhalten, kreuzte er einen Pyrenäen- Berghund
ein, den er verfügbar hatte. Diese ziemlich großen Hunde
existieren in verschiedenen Farbschlägen, jedoch vorwiegend mit
langen, weißen Haaren. Der erste, wirkliche "Leonberger"
genannte Hund wurde 1846 geboren und machte seine Heimatstadt
somit zur ältesten, urkundlich belegten Hundezuchtstätte
Deutschlands. Es war gelungen, in dieser neuen Rasse die
hervorragenden Eigenschaften des Bernhardiners, des
Neufundländers und des Pyrenäen- Hundes zu vereinigen. Dies
erklärt, warum der Leonberger nun einen Siegeszug sondergleichen
antrat. Auf einer Ausstellung anlässlich des Oktoberfestes in
München wurden Hunde aus der Essigschen Zucht gezeigt, über die
ein Pressebericht sagt: "Der Schönste dieser Hunde war gelblich
braun mit schwarzen Schattierungen, etwa wie ein Löwe und auch
Löwenartig in seinem prachtvollen Wuchs."
|
 |
Im Jahr 1870 schreibt eine österreichische Zeitung über den
ersten der 7 neuen Hunde der Kaiserin Elisabeth: "Ihre Majestät
die Kaiserin ist seit ihrer Rückkehr aus Rom im Besitz eines
prachtvollen Leonberger- Hundes. In ganz Österreich dürfte kein
zweites Exemplar dieser Rasse zu finden sein. Das Tier, welches
ein blendend- silberweißes Haar hat während die Gehänge braun
sind, ist höher und stärker als der Neufundländer. Der neue Hund
macht täglich die Fahrten in den Prater mit seiner Herrin mit."
|
|
Kaiser Napoleon III. in Frankreich, der Prince of Wales in
England, König Umberto in Italien und der italienische
Nationalheld Garibaldi waren stolz auf ihre Leonberger. Aber
auch in Deutschland fand die neue Rasse berühmte Liebhaber, z.B.
Großherzog Friedrich von Baden, Richard Wagner, und Bismarck.
Der Dichter Ferdinand Freiligrath besuchte 1869 sogar den
Hundepark zu Leonberg. In jüngster Vergangenheit besaßen, um nur
wenige Beispiele zu nennen, die Familie des Komponisten Carl
Orff und der Sänger Adamo Leonberger- Hunde, der Sänger Ivan
Rebroff hat sie sogar jahrelang gezüchtet.
|
|
Die überragende Bedeutung Essigs für den Erfolg der
Leonberger-Zucht wurde später erst deutlich, als es nach seinem
Tod 1889 damit schnell bergab ging. Der Verlust an Ansehen
dieser Rasse ist besonders aus dem Buch von Strebel (1905) "Die
Deutschen Hunde und ihre Abstammung mit Hinzuziehung und
Besprechung sämtlicher Hunderassen" erkennbar. Er schreibt::
"... so kam die Zeit, wo man gegen die Leonberger-Zucht zu Felde
zog als eine unangenehme Begleiterscheinung der
Bernhardiner-Zucht. Man brachte es fertig, sie in Acht und Bann
zu tun: Was man nicht definieren kann, das sieht man gut als
Leonberger an."
|
|
|
Dennoch taten sich überall Freunde des Leonbergers zusammen, um
das Fortbestehen dieser wunderbaren Rasse zu sichern. So
entstanden im Jahre 1895 der "Internationale Club für Leonberger
Hunde", Sitz Stuttgart; 1901 der "Nationale Leonbergerclub",
Sitz Abholda/ Thüringen, und 1908 der "Leonbergerclub", Sitz
Heidelberg.
|
|
Die beiden Weltkriege mit den darauf folgenden Notzeiten
brachten schwere Rückschläge. Doch fanden sich sowohl in den
20er Jahren, wie auch nach 1945 einige Idealisten, die Reste der
Rasse sammelten und versuchten, eine neue Zuchtbasis aufzubauen.
Am 10.Juni 1948 wurde der "Deutsche Club für Leonberger Hunde
e.V." (DCLH), Sitz Leonberg gegründet, der heute noch die
Interessen der Leonberger-Rasse und ihrer Freunde vertritt, das
Zuchtbuch führt und Mitglied im "Verband für das Deutsche
Hundewesen" (VDH) und der "Federation Cynologique
Internationale" (FCI) ist.
|
|
Seit vielen Jahren gibt es auch wieder Clubs in Holland,
Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Belgien, Frankreich,
Österreich, Italien und der Schweiz, neuerdings sogar in den
USA, Tschechien, der Slowakei und Spanien.
|
|
Bereits am 27.September 1975 wurde auf Initiative des damaligen
1. Vorsitzenden des Deutschen Clubs, Robert Beutelsbacher, im
Rathaus der Stadt Leonberg die "Internationale Union für
Leonberger Hunde gegründet, der alle diese Clubs angehören.
Nach der Wende in der DDR wurde dort ebenfalls ein
Leonberger-Club gegründet, dessen Mitglieder aber Ende 1990 dem
Deutschen Club für Leonberger Hunde beitraten. Die Zucht in der
damaligen DDR hatte teilweise ein hohes Niveau. In den 80er
Jahren vielen dort durchschnittlich 150 Welpen im Jahr. Dank der
Einsicht der Verantwortlichen gibt es auch in Gesamtdeutschland
nur einen Leonberger -Club, so dass alle an einem Strang zeihen.
|
|
|
Inzwischen gibt es in Europa wieder einige Tausend
Leonberger-Hunde, allein in Deutschland wurden in den letzten
Jahren im Schnitt etwa 600 Welpen jährlich aufgezogen. Dennoch
ist der Leonberger eine seltene Rasse geblieben, und es kann
sogar vorkommen, dass man in der Stadt Leonberg verschiedentlich
nach der Rasse seiner Hunde gefragt wird, obwohl der jeweilige
Oberbürgermeister von jeher Schirmherr der Zucht ist.
|
|
Quelle: Dein Hund "Leonberger" von
Hannelie Schmitt und Gerhard Zerle
|
Home Nach oben
|